Zwetschke Community Day 2026: Kims Recap

Impressionen vom Zwetschke Community Day 2026

Ein Tag und eine Halle voller Agentur-Menschen, die sich seit Jahren kennen. Und das Gefühl, dass die Branche gerade so spannend ist wie lange nicht: Der Zwetschke Community Day 2026 in der Teehalle des Hotel Maximilian’s in Augsburg war für mich nicht nur ein Speaker-Slot, sondern auch eine ordentliche Portion Inspiration. Und weil ich weiß, wie viele von Euch jetzt schon überlegen, ob ihr 2027 dabei sein wollt: Weniger überlegen, mehr buchen 🙂

Warum dieser Tag und diese Community anders ist

Den Community Day kennt man oder man hat noch nicht verstanden, was Hannes Zwetschke da eigentlich aufgebaut hat. Geschätzt 80 % der Gäste waren auch im Vorjahr schon vor Ort – und das merkt man. Es fühlt sich weniger nach Konferenz an, mehr nach Klassentreffen mit Substanz. Kein Pitch-Theater, kein Visitenkarten-Bingo. Hier gibt es echte Gespräche zwischen Menschen, die größtenteils selbst Agenturen führen. Hannes nennt es seinen „Safe Space für Agenturen“ – und genau so fühlt es sich auch an.

Catering, Location, Musik (Marko an den Decks – wie jedes Jahr), die Foto-Action mit Mark, Pascal, Patrick und Marco, der Erste-Hilfe-Tisch („wir wollen keine Pimmelberger“) – alles war durchdacht, ohne überproduziert zu wirken. Das ist Hannes-typisch und genau der Grund, warum ich dort gerne spreche und noch lieber bleibe.

Mein Vortrag: Conversion beginnt im Kopf

Ich durfte mit dem Thema starten, das mich persönlich seit Jahren begleitet: psychologische Trigger für bessere Conversions im Web. Wer mich kennt, weiß: Ich bin zertifizierte Neuro Web Expertin – und ich finde es nach wie vor faszinierend, wie wenig rational wir Menschen eigentlich entscheiden.

Wir haben gemeinsam erlebt, wie der Foot-in-the-Door-Effekt funktioniert (ihr seid für mich aufgestanden – und hättet danach vermutlich ziemlich viel für mich gemacht 😉), warum der IKEA-Effekt dafür sorgt, dass selbstgebaute Dinge mehr wertgeschätzt werden, was der Mere-Exposure-Effekt mit Retargeting zu tun hat und warum kognitive Dissonanz der Grund ist, dass Menschen Multi-Step-Formulare durchziehen, statt abzubrechen.

Mein wichtigstes Anliegen war aber die goldene Regel: Nutze psychologische Prinzipien, um den wahren Wert Deines Angebots verständlicher und vertrauenswürdiger zu machen. Nicht, um einen nicht vorhandenen Wert vorzutäuschen. Aus großer Macht folgt große Verantwortung – und das gilt im Marketing besonders.

Danke an alle, die im Anschluss noch Fragen gestellt haben, vor allem rund um Brand-Konsistenz vs. Performance-Tests. Spoiler: Wer nur auf die nächste Ad optimiert, baut keine Marke.

Meine Folien kannst Du Dir sehr gerne hier herunterladen.

Hannes Zwetschke: Etwas, etwas anders machen

Hannes hat danach in seiner gewohnt ehrlichen Art durchs Programm geführt – und nebenbei wieder ein paar Dinge geteilt, die andere für sich behalten würden. Sein Lieblings-Experiment des Jahres: Werbung für die Zwetschke-Agentur auf Pornhub. 4 Millionen Impressionen, 641 Klicks, 142,18 € Spend. Awkward? Ja. Aber genau das ist Hannes‘ Punkt: In Zeiten, in denen alle das Gleiche machen, gewinnt, wer den Mut hat, etwas etwas anders zu machen.

Auch wichtig: Sein Team. Hannes hat einen nach dem anderen vorgestellt – von Raphi (Head of Social Media) über Flo (Art Director), Sabrina (Motion Design), Anne, Annika, Berat, Jonas, Lara, Betti bis zur neuen Buchhalterin Kirsten mit Kassenbon-Aufroll-Rechenmaschine. Diese Transparenz, wer hinter den Kulissen arbeitet, ist genau das, was Vertrauen schafft – sowohl bei der Community als auch bei Kunden.

KI in der Agentur: Wie Zwetschke wirklich arbeitet

Der größte inhaltliche Block des Tages war der KI-Workflow bei Zwetschke, offen geteilt. Und das war richtig, richtig gut.

Flo hat aus Grafiker-Sicht gezeigt, wie sich der Job verändert hat: weg vom „ein Instrument im Orchester“, hin zum Dirigenten. Highlights für mich:

  • Tool-Stack: Higgsfield als zentrales Tool, weil dort verschiedene Modelle (Nano Banana, Flux, Gemini, ChatGPT) gebündelt verfügbar sind. Dazu ein selbst gebauter Gemini-Gem als Prompt-Übersetzer, der aus „eine Frau auf einem Monster Truck in der Wüste“ einen modellspezifisch optimierten Prompt baut.
  • Echte Cases: Neimcke, Physiogel, LABLIONS, der Leichenwagen über den Wolken (mit Scheibenwischern auf den Scheinwerfern, die sie partout nicht rauskriegen 😄) und die Hamm-Walzen-Kampagne, deren Visuals so überzeugend waren, dass der Kunde sie einfach abgenickt hat – englische Adaption inklusive.
  • Wichtigste Erkenntnis: Geduld. Manchmal sind es 30 Iterationen bis zum finalen Visual. KI ist kein One-Shot-Tool, sondern ein Dialog-Werkzeug.

Sabrina hat den Bogen ins Bewegtbild geschlagen – mit dem Spezi Energy Zero Reveal-Reel, das aus einem einzigen Flaschen-Rendering entstand, und dem Bruno-Maskottchen für den Buron Familienspaß, das jetzt auf Social Media zum Leben erwacht. Auch spannend: Jens, ihr externer 3D-Experte, hätte für das Spezi-Video eine Woche gebraucht. Sabrina war an einem Tag fertig. Das ändert die Verhältnismäßigkeit von Aufwand und Nutzen komplett – gerade für Social-Content, der nach einer Woche eh wieder weg ist.

Hannes hat zum Abschluss seine drei KI-Regeln für die Agentur geteilt, die ich mir direkt mitgenommen habe:

  1. KI wird ausschließlich mit echter Kreativität aus Menschen-Brainstormings gefüttert.
  2. Outputs werden ausschließlich von Profis bewertet und weiterentwickelt.
  3. Kundenkommunikation ist Key – Transparenz schlägt jeden Bullshit.

Und sein Bonus: Ein eigener Podcast-Workflow mit Descript, AutoPod und einem selbst gebauten Show-Notes-Assistenten, der aus 1,5 h Aufnahme in 25 Minuten eine fertige, gepostete Folge macht. Ich nehme das eine oder andere davon mit ins eigene Setup.

Happy Bootstrapping: Kein Budget, aber geile Ideen

Ein Vortrag, den ich vorher nicht auf dem Schirm hatte – und der mich am Ende vielleicht am meisten überrascht hat. Der Host des Happy-Bootstrapping-Podcasts (über 170 Folgen mittlerweile) hat eine Stunde lang gezeigt, wie Unternehmen ohne Fremdkapital wachsen. Keine VC-Märchen, keine Overnight-Success-Storys – sondern Fallstudien aus seinem Podcast, die einfach funktionieren.

Ein paar Beispiele, die hängen geblieben sind:

  • Parqet (Portfolio-Tracking) und Habit Kit – beides Produkte, die aus einem eigenen Problem der Gründer entstanden sind. Heute über 20 Mitarbeitende bzw. 30.000 € MRR.
  • Keep the Score: Ein Scoreboard-Tool, das durch einen SEO-Artikel zu „Harry Potter House Scoring“ 25.000 $ Monatsumsatz aus den USA macht. SEO ist tot? Klar.
  • Kaffeemacher: 10 Mio. Umsatz – ohne bezahlte Werbung, nur über lehrreiche YouTube-Evergreen-Videos.
  • Stefan Vetter (Friendly): Veröffentlicht jeden Monat die kompletten Firmenfinanzen auf LinkedIn. Building in Public auf Maximum – und es funktioniert.
  • Moritz (E-Fly): 27.000 LinkedIn-Follower und 100 % Neugeschäft über Inbound. Plus eigene „E-Commerce Nights“, weil – Zitat – „Face to Face baut Beziehungen auf, die keine Ad kaufen kann.“

Sein wichtigster Satz, den ich mir aufgeschrieben habe: „Du fragst nach dem einfachen Weg. Den gibt’s nicht.“ Dazu das Bill-Gates-Zitat, das so wahr ist: „Most people overestimate what they can do in two years, but underestimate what they can do in ten.“

Für mich war das eine ziemlich heilsame Erinnerung daran, dass nachhaltiges Wachstum selten laut ist – und dass die wirklich spannenden Unternehmensgeschichten meistens die sind, die niemand auf den OMR-Bühnen erzählt. Die Empfehlung den Podcast zu abonnieren, gebe ich Dir gerne.

Übrigens ist mir am Morgen nach dem Event im Bad eine grandiose App-Idee gekommen. Mehr dazu zu gegebener Zeit.

Clemens Pfitzer: KI und Recht – die unbequeme Wahrheit

Der zweite große Block kam von Anwalt Clemens Pfitzer – und ehrlich, das war der Vortrag, bei dem ich am meisten mitgeschrieben habe. Die wichtigsten Punkte:

  • Urheberrecht: Was rein per Prompt entsteht, ist nicht geschützt. Heißt: keine Exklusivität, die wir an Kunden weiterverkaufen können. Erst signifikante menschliche kreative Leistung verändert das.
  • Trainingsdaten & Output: Selbst wenn Anbieter trainieren durften, kann der Output Rechte Dritter verletzen. „Doppelschöpfung“ als Schutzargument gilt bei KI nicht.
  • Kennzeichnungspflicht ab 02.08.2026: Deepfakes (echte Personen, Produkte, Orte) müssen sichtbar gekennzeichnet werden. Auch das freigestellte Parfümfläschchen in der KI-Wüstenlandschaft. Tiere übrigens nicht – kein Persönlichkeitsrecht.
  • Verträge & AGB: Angebote sind Verträge. Heikle Punkte gehören in die Leistungsbeschreibung, nicht in die AGB (strengere Kontrolle). KI-Einsatz transparent machen, Modell benennen, Wahlmöglichkeiten anbieten (KI vs. „Human-only“).
  • OpenAI & Co. zucken bei Problemen mit den Schultern. Die Haftung bleibt bei uns Agenturen.

Hannes hat direkt vorgeschlagen, gemeinsam mit Clemens einen One-Pager für die Community zu entwickeln, den wir Kund:innen vorlegen können. Ich bin sehr dafür. Klarheit brauchen wir alle.

Was ich für uns Digitallotsen mitgenommen habe

Drei Sätze, die hängen geblieben sind:

  1. „Wir müssen uns alle überlegen, welches Problem wir für unsere Kunden lösen – nicht, welche Dienstleistung wir verkaufen.“ (Hannes)
  2. „Wenn ich Mühe in etwas stecke, schätze ich das Ergebnis mehr.“ (IKEA-Effekt, mein eigener Vortrag, aber gilt für uns als Agenturen genauso)
  3. „Wann immer ich Zweifel habe, ob ich KI kennzeichnen muss: kennzeichnen.“ (Clemens)

Und ein Gefühl: Diese Branche verändert sich gerade massiv. Aber die Profis werden nicht überflüssig, sondern wichtiger denn je. Wer Erfahrung mit handwerklicher Qualität, Zielgruppenverständnis und Verantwortung kombiniert, hat im KI-Zeitalter keinen Nachteil – sondern den entscheidenden Vorsprung.

FAQ: Zwetschke Community Day

Wann und wo fand der Community Day 2026 statt? Am 21.05.2026 in der Teehalle des Hotel Maximilian’s in Augsburg.

Wer war auf der Bühne? Hannes Zwetschke mit seinem Team (u. a. Flo, Sabrina, Raffi und Co.), Anwalt Clemens Pfitzer zum Thema KI-Recht, der Host des Happy-Bootstrapping-Podcasts mit Wachstumsstrategien für Bootstrapped-Unternehmen – und ich durfte mit „Conversion beginnt im Kopf“ einen psychologischen Impuls beisteuern. Zudem gab es noch eine Panel-Diskussion mit den Teilnehmenden aus dem letzten Inner Circle.

Was kostet der Community Day? Tickets gibt es im Z-Klub. Das 2027er-Ticket („Vertraue blind, Bruder!“) liegt aktuell bei 222 € (regulär 289 €). Team-Rabatte ab 5 Personen.

Wann ist der nächste Community Day? Donnerstag, 13. Mai 2026 – Korrektur: 13.05.2027, wieder in Augsburg, 9:00 – 17:30 Uhr. Location wird noch bekannt gegeben. Infos und Tickets: z-klub.de/collections/community-day

Lohnt sich der Tag, wenn ich keine Agentur führe? Wenn Du im Mittelstand für Marketing verantwortlich bist, mit Agenturen zusammenarbeitest oder Dich für ehrlichen Austausch jenseits der OMR-Hochglanzbubble interessierst: ja.

Bist Du 2027 wieder dabei, Kim? Klaro! 😉

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Die Person hinter dem Text

Kim Nadine Adamek
Kim Nadine Adamek

Hey ich bin Kim, Gründerin und Geschäftsführerin der digitallotsen. Meine Stärken sind Social Media Marketing und Conversion Optimierung.

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