Am Montag, 15.09.2025 war es so weit: Ich war zum ersten Mal beim AdsCamp in Köln. Kleiner Spoiler: Die Konferenz kommt definitiv auf meine persönliche Bestenliste und ich komme nächstes Jahr wieder!
Für alle, die nicht dabei sein konnten, habe ich hier meine Eindrücke und wichtigsten Takeaways zusammengefasst.
Vorweg: Die Atmosphäre war super, die Location und Verpflegung top und die Vorträge hatten genau das richtige Niveau (für mich) – eine perfekte Mischung aus Bestätigung für bekannte Strategien und jeder Menge frischer Impulse.
Die großen Themen des Tages waren unübersehbar: Künstliche Intelligenz, die nicht unsere Jobs ersetzt, sondern uns superstarke Werkzeuge an die Hand gibt, und die unumstößliche Wahrheit, dass kreative Strategie der größte Hebel im Performance Marketing bleibt.
Der Rahmen: Location, Orga & Co.
Ein großes Lob an die Organisatoren! Die Räumlichkeiten waren super, der Ton hat gepasst und für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Man merkt einfach, wenn eine Konferenz mit Herzblut organisiert wird.
Ein kleiner Wunsch für Neulinge wie mich im nächsten Jahr: Die Website könnte noch ein bisschen mehr Liebe vertragen. Ein aufgebohrtes FAQ mit mehr Infos zur Anreise oder Tipps für Ortsfremde wäre Gold wert, um sich noch besser zurechtzufinden. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau!
Jetzt aber zu den Inhalten – hier sind meine Learnings aus den Sessions, die ich besucht habe:
Die Vorträge im Deep Dive
Opening & AI Performance Playbook 2025: Florian Litterst & Lena Junker
Florian und Lena haben den Tag mit einem echten Knaller eröffnet. Ihr Vortrag hat klargemacht, dass sich unser Job als Performance Marketer fundamental wandelt. Es geht nicht mehr nur um das Bedienen des Werbeanzeigenmanagers, sondern um strategische Prozesse und intelligente Workflows.
Meine 3 Key-Learnings:
- Strategie schlägt Tool-Bedienung: Die Zeiten, in denen wir uns nur im „Maschinenraum“ des Ads Managers aufgehalten haben, sind vorbei. Heute sprechen wir über KI, Prozesse und Tools, die uns die taktische Arbeit abnehmen, damit wir uns auf die Strategie konzentrieren können.
- Denk in 500 Ads, nicht in 5: Die Plattformen können heute eine viel größere Menge und Vielfalt an Creatives verarbeiten. Unsere Aufgabe ist es nicht mehr, 5 perfekte Ads zu erstellen, sondern Systeme zu schaffen, mit denen wir vielleicht 500 diverse Varianten testen können – und die Antwort darauf lautet fast immer KI. Das ist jetzt natürlich etwas überspitzt dargestellt – aber Du verstehst, was ich meine ;).
- Ohne Fundament keine gute KI-Ad: Ein Zitat ist mir besonders hängen geblieben: „Nur jemand, der ohne Al gute Ads erstellen kann, kann mit Al gute Ads erstellen“. Man muss die Grundlagen einer guten Werbeanzeige verstehen, um die KI effektiv füttern und steuern zu können. Der Aufbau einer internen Prompt- und Kontext-Library ist dabei der Schlüssel zu herausragenden Ergebnissen.
Beyond KPIs: Mit Customer Feedback zu kreativeren Social Ads – Philipp Baron Freytag von Loringhoven
Dieser Vortrag war für mich ein absolutes Highlight! Philipp hat uns eindrucksvoll daran erinnert, dass hinter all den Daten und KPIs am Ende Menschen mit Bedürfnissen stehen. Sein Ansatz: Wir müssen das „Warum“ hinter dem Kauf (oder Nicht-Kauf) verstehen.
Meine 3 Key-Learnings:
- Das Creative ist und war schon immer der Hebel: Studienergebnisse zeigen, dass rund 49 % der Werbewirkung vom Creative abhängen. Das ist keine neue Erkenntnis, aber wir müssen sie uns immer wieder bewusst machen. Das Creative ist nicht das „neue Targeting“, es war schon immer der entscheidende Faktor.
- Die Wahrheit liegt im „Non-Feedback“: Standard-Feedback kommt meist nur von den extrem zufriedenen oder extrem unzufriedenen Kunden. Die wahren Gold-Nuggets finden wir bei der schweigenden Mehrheit, die nicht kauft. Quellen dafür? Exit-Intent-Umfragen („Warum willst du gehen?“), Reddit-Threads oder die Analyse von Konkurrenz-Bewertungen.
- Finde den „Job to be Done“: Kunden kaufen kein Produkt, sie „heuern“ es für einen bestimmten Job an. Eine Bohrmaschine wird nicht wegen der Maschine gekauft, sondern für das Loch in der Wand, um ein Bild aufzuhängen, das die Wohnung schöner macht. Wenn wir diesen dahinterliegenden Job (z. B. emotional oder sozial) verstehen, können wir viel wirkungsvollere Anzeigen gestalten.
3 Creative Strategy Insights aus 50 Mio. € Ad Spend pro Monat – Maximilian Modrich
Auch dieser Vortrag war mega inspirierend. Maximilian hat uns einen tiefen Einblick gegeben, wie die Top-Marken ihre Creative-Prozesse strukturieren. Es geht um Systeme, nicht um zufällige Geistesblitze.
Meine 3 Key-Learnings:
- Das „Creative Strategy Flywheel“ ist Pflicht: Erfolgreiche Marken folgen einem klaren, sich wiederholenden Prozess: Research, Ideation, Briefing, Content Creation, Launch und Analyse. Ein oft unterschätzter Teil der Research: die Analyse der eigenen Ad-Kommentare. Dort liegt pures Gold für neue Hooks und Angles.
- Deine Strategie hängt von deinem Budget ab: „Understand where you stand“ war hier die Kernaussage. Ein Startup mit 10.000 € Monatsbudget sollte nicht die Creative-Strategie einer Brand mit über 100.000 € kopieren. In der Anfangsphase geht es um Diversität und das Testen von grundlegenden Konzepten, später um Skalierung und Effizienz.
- Standardisierung schafft Raum für Kreativität: Das klingt paradox, ist aber ein genialer Gedanke. Durch standardisierte Prozesse (SOPs), saubere Naming Conventions und visuelle Briefing-Templates eliminierst du repetitive, zeitfressende Aufgaben. Die so gewonnene mentale Energie kannst du dann in die Entwicklung der wirklich großen, neuen Ideen stecken.
Influencer-Marketing als Performance-Booster – Moritz Lambrecht
Influencer-Marketing dient als effektiver Performance-Booster, um die Profitabilität von Social Ads zu steigern und die Abhängigkeit von Kanälen wie Meta zu reduzieren. Am Praxisbeispiel von PrepMyMeal wird gezeigt, wie eine Kooperation mit dem Fitness-Influencer Tim Gabel zu signifikanten und profitablen Ergebnissen führte: Mit 68.000 € Werbeausgaben wurden 1.367 Neukunden und 109.000 € Umsatz generiert. Ein erfolgreicher Ansatz erfordert eine datenbasierte Strategie, die eine sorgfältige Plattform- und Creator-Auswahl, klare vertragliche Regelungen und ein authentisches Briefing umfasst. Langfristiger Erfolg wird durch eine granulare Datenanalyse und eine kontinuierliche Optimierung der Kampagnen über einen Zeitraum von mindestens 6–12 Monaten sichergestellt.
Meine 3 Key-Learnings:
- Erfolg ist mathematisch planbar: Influencer-Marketing sollte datengetrieben gesteuert werden. Anhand der erwarteten Reichweite, einer branchenüblichen Conversion Rate (z. B. 0,25 % für YouTube, 0,1-0,15 % für Instagram) und des Ziel-CAC (Customer Acquisition Cost) lässt sich ein maximaler TKP (Tausender-Kontakt-Preis) berechnen, der als Verhandlungsbasis dient. Dieser Ansatz macht die Profitabilität von Kampagnen prognostizierbar.
- Die Plattformwahl bestimmt den langfristigen Wert: Während Instagram-Stories nur für 24 Stunden sichtbar sind und kurzfristige Ergebnisse liefern, bieten YouTube-Integrationen einen nachhaltigen Vorteil. Der Content auf YouTube bleibt dauerhaft bestehen und wird von Google und LLMs indexiert, wodurch er über Monate hinweg kontinuierlich neue Conversions generieren kann.
- Influencer-Marketing erfordert strategisches Commitment: Valide Daten und nachhaltiger Erfolg im Influencer-Marketing benötigen Zeit und ein ausreichendes Budget. Es wird empfohlen, mindestens 6 bis 12 Monate Laufzeit und ein Budget von 10.000 bis 15.000 € pro Plattform einzuplanen, um aussagekräftige Learnings zu generieren und die Profitabilität schrittweise zu steigern.
Der große Performancehebel – wissen was wirklich funktioniert – Daniel Stauber
Der Vortrag von Daniel beleuchtet die kritische Bedeutung der Mehrwertmessung (Inkrementalität) im digitalen Marketing und stellt die traditionelle Last-Click-Attribution infrage, die laut Studien bis zu 35 % des Werbebudgets verschwendet.
Als Lösung wird ein konsequenter Fokus auf datengetriebenes Testing, insbesondere A/B-Tests und Conversion-Lift-Studien, präsentiert, um den tatsächlichen, zusätzlichen Wert von Werbemaßnahmen zu ermitteln. Ein zentrales Thema ist die Vorstellung und Validierung von Metas KI-basiertem Tool „Incremental Attribution“, das auf der Analyse von 100.000 Lift-Studien basiert und es Werbetreibenden ermöglicht, ihre Kampagnen direkt auf inkrementelle Conversions zu optimieren. Praxisbeispiele belegen die Wirksamkeit dieses Ansatzes, der zu signifikant höheren ROAS- und Margenwerten führt.
Meine 3 Key-Learnings:
- Meta’s „Incremental Attribution“ ist ein praxistaugliches Werkzeug: Der Meta Ads Manager bietet mit der „Incremental Attribution“ eine KI-gestützte Optimierungsoption, die auf 100.000 historischen Conversion-Lift-Studien basiert. Kampagnen, die dieses Feature nutzen, erzielen im Schnitt 46 % bessere Ergebnisse. Ein Fallbeispiel von Pompom London zeigte sogar einen um 57 % höheren ROAS und eine um 94 % höhere Marge, was die Effektivität des Tools belegt.
- Last-Click-Attribution ist ineffizient und irreführend: Bis zu 78 % der Werbetreibenden nutzen noch die Last-Click-Attribution, obwohl diese Methode nachweislich 35 % des Werbebudgets verschwendet, da sie nicht zwischen organischen und werbeinduzierten Conversions unterscheidet. Der strategische Fokus muss daher auf Inkrementalität liegen, um nur die Verkäufe zu messen, die ausschließlich durch die Werbung erzielt wurden.
- Inkrementalität ist der Hebel für echte Profitabilität: Die Umstellung der Messmethode von Last-Click auf Inkrementalität kann den Umsatz im Schnitt um 3,6 % steigern, ohne das Budget zu erhöhen. Die Optimierung auf inkrementelle Conversions stellt sicher, dass Werbeausgaben gezielt für die Gewinnung von Neukunden eingesetzt werden, die sonst nicht konvertiert hätten.
Social 2026: Organic Love × Paid Power – Teamplay statt Taktikschlacht – Theresa Berthelmann
Theresa hat ein Thema beleuchtet, das oft in Silos gedacht wird: die Synergie zwischen Organic und Paid Social. Ihr Vortrag war ein starkes Plädoyer dafür, diese beiden Welten endlich intelligent zu verzahnen.
Meine 3 Key-Learnings:
- Organische Reichweite allein reicht nicht mehr: Mit einer organischen Reichweite von nur noch ca. 2-5 % auf Instagram ist es unmöglich, allein damit eine Zielgruppe verlässlich zu erreichen. Paid ist kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein notwendiger Verstärker für guten organischen Content.
- Der Redaktionsplan ist das strategische Zentrum: Ein guter Redaktionsplan ist mehr als eine Content-Liste. Er ist das zentrale Tool, um die Content-Strategie zu strukturieren und ganz gezielt zu entscheiden, welche organischen Posts das Potenzial haben, mit Mediabudget geboostet zu werden.
- Kombiniere Post-Boostings und Dark Ads intelligent: Statt nur auf das eine oder andere zu setzen, braucht es eine hybride Strategie. Nutze Post-Boostings gezielt für Inhalte, die auf Engagement und Interaktion im Mid-Funnel einzahlen sollen. Für knallharte Performance-Ziele wie Sales oder Leads im Lower-Funnel sind angepasste oder komplett neue Dark Ads mit klarem USP und CTA aber meist die bessere Wahl.
Leider musste ich nach diesem Vortrag aus familiären Gründen los und habe den Rest des Programms verpasst. Aber die Sessions, die ich gesehen habe, waren vollgepackt mit wertvollem Input!
Mein Fazit
Das AdsCamp 2025 hat eindrucksvoll gezeigt: Die Zukunft im Social Advertising gehört denen, die strategisch denken, kreative Prozesse meistern und die Synergien zwischen Mensch und Maschine intelligent nutzen. Es geht weniger um geheime Hacks und mehr um solide, wiederholbare Systeme.
Ich fahre mit einem Notizbuch voller Ideen, neuen Perspektiven und der Bestätigung nach Hause, dass wir mit unserem datengetriebenen und gleichzeitig kreativen Ansatz genau auf dem richtigen Weg sind.
Wir sehen uns nächstes Jahr in Köln!
Warst du auch da? Was waren deine Highlights? Lass es mich in den Kommentaren wissen!