Social Media lebt von Konstanz und Kreativität. Doch beides kostet Zeit. Was wäre, wenn man bereits vorhandene Videomaterialien einfach neu nutzen könnte, um auf weiteren Plattformen Reichweite aufzubauen? Genau dieses Content Recycling haben wir für Dich getestet.
In einem viermonatigen Versuch haben wir bei drei Kunden vorhandene Videos von Facebook und Instagram genommen, sie leicht überarbeitet und auf TikTok sowie YouTube Shorts veröffentlicht. Das Ergebnis war überraschend stark. Sowohl in puncto Reichweite als auch im Hinblick auf das Aufwand-Nutzen-Verhältnis.
Unser Vorgehen und die Learnings des Tests verraten wir Dir in diesem Beitrag.

Unser Vorgehen: Content Recyceln mit System
Anstatt aufwendige Neuproduktionen zu starten, haben wir uns im Test auf bereits vorhandene Videos konzentriert. Bei Dachdeckermeister Berster handelte es sich dabei um kurze Talking-Head-Clips, die Einblicke in den Alltag, Begriffe und die Werkzeuge des Dachdeckerhandwerks geben. Marquardt Dächer und Fassaden verfügte auf Instagram und Facebook bereits über eine ganze Reihe an Baustellenvideos ohne Sprachuntermalung aus den letzten Jahren, die sich perfekt für die musikalische Untermalung eignen. Und bei der Westfalen Apotheke erklärt Apotheker Tasso auf Instagram gesundheitliche Themen direkt in die Kamera.
Videomaterial war also reichlich vorhanden. So sind wir vorgegangen:
- Wir starteten mit der Auswahl und Sichtung des vorhandenen Videomaterials.
- Lizenzierte Musik wurde von unserem Team über Musicbed ergänzt, insbesondere bei Marquardt, da dort keine gesprochenen Inhalte in den Videos vorhanden waren.
- Schließlich haben wir die Captions überarbeitet. Die vorhandenen Texte wurden mithilfe von ChatGPT plattformspezifisch angepasst. Für YouTube sind zum Beispiel deutlich längere Texte als für TikTok gefragt.
- Wir haben neue Unternehmens-Accounts auf TikTok und YouTube Shorts angelegt. Bei TikTok haben wir die Accounts über die Business Suite verifiziert.
- Bereits vor dem eigentlichen Start haben wir auf YouTube mit anderen Accounts interagiert: Zwei Wochen vor der ersten Video-Veröffentlichung haben wir damit begonnen, mit anderen Accounts zu interagieren, d. h. wir sind relevanten Accounts gefolgt, haben Beiträge geliked und kommentiert.
- Dann folgten die regelmäßigen Postings: Pro Account haben wir ein bis drei Videos pro Woche veröffentlicht.
- Auch nach dem Start haben wir weiterhin aktiv mit anderen Accounts interagiert, um die Sichtbarkeit der neuen Accounts und Inhalte zu steigern und neue Follower auf uns aufmerksam zu machen.
Die Ergebnisse: Beeindruckende Reichweite mit recyceltem Content
Nach einem viermonatigen Testlauf mit insgesamt über 90 recycelten Videos auf TikTok und YouTube Shorts zeigen sich klare Trends: Die Reichweiten unterscheiden sich je nach Branche, Format und Präsentationsstil deutlich, doch überall konnten wir mit wenig Aufwand neue Zielgruppen erreichen. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Ergebnisse unserer drei Test-Accounts im Detail.
Dachdecker Berster: TikTok als Überraschungserfolg
Für Dachdecker Berster haben wir 35 Videos aus vorhandenem Material neu aufbereitet und auf TikTok sowie YouTube Shorts veröffentlicht. Besonders erfolgreich war die Videoreihe „Dachwissen“, in der Fachbegriffe aus dem Dachdeckerhandwerk erklärt wurden. Diese kurzen, informativen Clips kamen besonders in der Handwerkerbubble und bei Menschen, die sich für das Handwerk interessieren, gut an.
Fazit: Talking-Head-Formate mit Fachbezug funktionieren hervorragend auf beiden Plattformen, vor allem, wenn sie informativ und authentisch präsentiert werden.
TikTok: Mit knapp 130.000 Aufrufen entwickelte sich der TikTok-Kanal zum stärksten Kanal unseres Kunden. Die Mischung aus Alltagsbezug, sympathischer Präsenz vor der Kamera und fachlichem Wissen kam gut an.
YouTube Shorts: Hier wurden fast 55.000 Aufrufe erzielt. Besonders gut performten Videos zu Ausbildungsthemen, beispielsweise zu typischen Aufgaben von Auszubildenden oder Tipps für den Einstieg ins Handwerk. Das zeigt: YouTube kann ein wertvoller Kanal für Recruiting-Content sein.

Marquardt Dächer und Fassaden: Visueller Content mit stabilem Potenzial
Bei Marquardt haben wir 28 neue Videos veröffentlicht. Im Unterschied zu Berster lag der Fokus hier auf klassischem Baustellen-Content, also Aufnahmen vom Arbeitsalltag auf dem Dach, meist ohne gesprochene Inhalte oder Personen vor der Kamera.
- TikTok: Mit insgesamt rund 35.000 Aufrufen blieben die Zahlen hier hinter denen der anderen Accounts zurück. Das liegt vor allem daran, dass die Videos rein visuell waren und keinen persönlichen Bezug aufwiesen, was auf TikTok oft weniger gut performt.
- Deutlich besser lief es bei YouTube Shorts: Mit 95.000 Aufrufen zeigte sich, dass die kurzen Baustellen-Clips auf YouTube besser angenommen wurden. Vor allem Abläufe und Arbeitsschritte auf der Baustelle sorgten hier für eine hohe Watchtime.
- Fazit: Auch visuelle Inhalte ohne Sprache können funktionieren, vor allem auf YouTube. Für TikTok braucht es jedoch eine persönlichere Ansprache oder erklärende Elemente, um mehr Engagement zu erzeugen.

Westfalen Apotheke: Lokale Sichtbarkeit durch virale Videos
Die größte Überraschung lieferte der TikTok-Account der Westfalen Apotheke. Apotheker Tasso war bereits auf Facebook und Instagram aktiv, aber auf TikTok erreichte er mit denselben, leicht angepassten Inhalten ein ganz neues Publikum. Die Videos setzen auf Talking-Head-Formate, in denen Tasso gesundheitliche Themen leicht verständlich erklärt.
- TikTok: Einige der Videos gingen viral, insbesondere der Clip zum Thema Blutdruckwerte. Dieses Video löste zahlreiche Kommentare, Shares und Diskussionen aus. Ein Zeichen dafür, dass relevante Alltagsthemen auch auf unterhaltungsorientierten Plattformen ihren Platz haben.
- Insgesamt wurde eine Reichweite erzielt, die für eine lokale Apotheke absolut bemerkenswert ist: Über 833.000 Aufrufe, mehr als 11.000 Likes und über 1.600 Followern.
- Fazit: Authentische, informative Videos mit persönlicher Ansprache sind prädestiniert für virale Reichweite. Auch (oder gerade) in vermeintlich nüchternen Branchen wie der Apothekenwelt.

Was wir gelernt haben: Sechs Erkenntnisse aus dem Content Recycling Test
- Gute Reichweite ist mit wenig Aufwand möglich. Wer bereits über Videomaterial verfügt, sollte TikTok und YouTube Shorts definitiv eine Chance geben. Es braucht manchmal keine teure Neuproduktion, sondern nur eine geschickte Aufbereitung vorhandener Inhalte.
- Talking-Head-Videos funktionieren besonders gut. Aufnahmen, in denen Menschen direkt sprechen, erzeugen höhere Reichweiten, insbesondere auf TikTok.
- Die Musik muss lizenziert sein: Auch wenn TikTok und YouTube eigene Musikbibliotheken bieten, ist Vorsicht geboten. Ohne korrekte Lizenz drohen Abmahnungen.
- YouTube Shorts ist ein unterschätzter Kanal. Wir waren überrascht, wie gut YouTube performt hat, insbesondere bei Marquardt. Wichtig: In Titel und Beschreibung sollten keine Markennamen verwendet werden, da dies die Reichweite einschränken kann.
- Entscheidend ist das Engagement. Wer auf TikTok oder YouTube durchstarten will, muss mit der Community interagieren und nicht nur stumpf Inhalte posten. Das bedeutet, dass man Fremdcontent liken, kommentieren und relevanten Accounts folgen sollte. So wird der eigene Account sichtbarer.
- Social SEO nicht vergessen: Untertitel, am besten automatisch von TikTok generiert, helfen der Plattform, den Inhalt besser zu verstehen. Hashtags sollten gezielt eingesetzt werden. Drei bis fünf relevante Begriffe reichen völlig aus.
Unser Fazit: Content recyceln lohnt sich!
Unser Test hat deutlich gezeigt, dass sich mit minimalem Aufwand neue Plattformen erschließen lassen, wenn man bereits auf Facebook oder Instagram aktiv ist und dort Videos gepostet hat. Besonders TikTok bietet enormes Potenzial, auch für lokale Unternehmen. Ein strukturiertes Vorgehen, plattformspezifische Anpassungen und der Mut, einfach zu starten, sind dabei wichtig.
Du hast bereits Videomaterial, das bisher nur auf einer Plattform verfügbar ist? Dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Potenzial von TikTok und YouTube Shorts zu testen. Wir helfen gerne beim Setup und der strategischen Umsetzung. Schreib uns einfach eine Nachricht!

